"Kreativität als Lebenskompetenz für junge Menschen"

02.03.2026

Interview Kunstschule Anita Buchgraber & Gudrun Eggenreich vor dem Eingang der Kunstschule Weiz

Wir baten Anita Buchgraber und Gudrun Eggenreich von der Kunstschule Weiz zum Interview. Wohin entwickelt sich die Kunstschule, welche Momente berühren und was motiviert beide in ihrem täglichen Wirken? 


Liebe Anita, als Obfrau des Kunstvereins Atelier KO bist du immer wieder in Berührung mit der kreativen Kunstszene in der Stadtgemeinde und natürlich auch du, Gudrun, als Stellvertreterin. Die Jugend ist sehr aktiv, was künstlerisches Schaffen betrifft – man denke an die Ausstellung „Junge Kunst“, die bis 21.3. im Foyer des Kunsthauses zu sehen ist. Scheint so, als ob es um die künstlerische Jugend in Weiz gut steht…


Anita: Ja, um die künstlerische Jugend in Weiz steht es sogar sehr gut! Wir haben Glück, in Weiz zu leben, in einer Stadt, in der künstlerische Bildung einen wichtigen Stellenwert hat und von der Stadtgemeinde gefördert wird. Dies ist nicht selbstverständlich und dafür möchte ich mich von Herzen bedanken!

Der außerschulische kreative Weg kann in Weiz bereits ab sechs Jahren starten. Durch die jährliche Abschluss-Ausstellung „Art goes Weiz“ im Kunsthaus Weiz, die heuer am 16. Juni stattfinden wird, bekommt die kreative Arbeit einen entsprechenden Stellenwert nach außen und die jungen Menschen kommen erstmals damit in Berührung, wie es ist, sich und das eigene Werk zu präsentieren.

Die „Junge Stadt Weiz“ mit Petra Schwarz und Julian Macher, bietet anschließend das nächste Level und holt schon seit Jahren großartige junge Künstler*innen vor den Vorhang. Diese Art von Wertschätzung ist wunderbar und ich bin jedes Mal sehr vom Können der jungen Menschen beeindruckt! Jahr für Jahr gemeinsam mit Günter Pösinger ein Teil dieser großartigen Veranstaltung sein zu dürfen, erfüllt mich mit Freude.

Die Stadtgemeinde Weiz, die öffentlichen Schulen und die Kunstschule Weiz, die vom „Kunstverein Atelier KOI“ organisiert wird, arbeiten erfolgreich und wunderbar zusammen und bereiten einen sehr reichen Boden für Kunst und künstlerische Bildung. 


Die Kunstschule Weiz hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Was macht sie heute aus deiner Sicht so besonders?

Gudrun: Damit die Kunstschule sich entwickeln kann, greifen viele Räder ineinander. Neben unserem Einsatz als Leiterinnen werden wir von einem Team an Vereinsmitgliedern unterstützt. Sie sind ehrenamtlich beim Anpacken, Organisieren, Kuchen backen und bei Veranstaltungen dabei und dafür sind wir ihnen sehr dankbar.

In den Kursen, die in gut ausgestatteten Schulungsräumen stattfinden, bietet die Kunstschule Weiz die Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten, in die Welt der Künste hineinzuschnuppern, sich zu vertiefen und sich mit anderen zu vernetzen.

Die Künstler*innen, die in der Kunstschule unterrichten, sind maßgeblich für die gute Qualität des Kursangebots verantwortlich. Einzigartig ist die Unterstützung der Stadtgemeinde Weiz. Außerdem steht der Wirtschaftshof und das Kulturbüro mit Rat und Tat hinter uns. Außergewöhnlich ist auch die Möglichkeit für Weizer Kinder aus einkommensschwachen Familien, um eine Bezuschussung von 50 % der Kursgebühren ansuchen.

Zusätzlich bemühen wir uns bei Bedarf bei den Weizer Organisationen, wie Way of Hope, Rotary Club, Lions-Club und Pro Spe für Übernahme von Kursgebühren.


Am 11.2.26 fand der Super-Schnuppertag statt, wie war dein persönlicher Eindruck von diesem Tag?

Gudrun: Ich habe mich sehr über die vielen Besucher*innen gefreut. Wir haben sechs Stationen vorbereitet, an denen sich alle kreativ austoben und einige der Künstler*innen kennenlernen konnten, die in der Kunstschule ihre Kurse anbieten. Es war schön zu beobachten, wie sich Eltern, die eigentlich nur ihre Kinder zum Schnuppern bringen wollten, motivieren ließen, sich kreativ einzubringen. Obwohl viel Trubel herrschte, wurde ruhig, konzentriert und mit Begeisterung gearbeitet. Groß und Klein waren sehr geduldig, beobachteten ganz genau, was zu tun ist und waren ganz bei sich – im Hier und Jetzt.


Hast du ein Highlight oder eine besondere Begegnung vom Schnuppertag?

Anita: Es gab mehrere besondere Begegnungen beim Schnuppertag. Ich habe die Freude der Besucher*innen erlebt, die Begeisterung gespürt, Erwachsene gesehen, die sich nach anfänglichem Zögern getraut haben, auch etwas auszuprobieren und ich bin Kindern begegnet, die mir stolz erzählten, dass sie einen Kursplatz bekommen haben.

Eine Begegnung hat einen besonders langen Nachhall. Es war das Gespräch mit einer Mutter, die ihr Heimatland wegen eines Krieges verlassen musste und seit einiger Zeit mit ihren Kindern in Weiz lebt. Sie haben den Weg in die Kunstschule Weiz gefunden, die ihnen Halt und Raum für Entfaltung gibt, wo sie unsere Sprache und künstlerische Ausdrucksformen lernen und gut in unserer Stadt ankommen. Ich blicke sehr nachdenklich auf unsere Welt und stelle mit einer Dringlichkeit fest, dass es unbedingt mehr Menschen braucht, die nicht zerstören, sondern im Gegenteil: Die Welt braucht Menschen die kreieren,  die erschaffen, die zusammenhalten und die das hervorholen, was uns verbindet! Die Kunstschule Weiz verbindet und das gibt mir Hoffnung.


Welche neuen Kurse oder Schwerpunkte plant ihr für das kommende Jahr?

Gudrun: Unsere Planungen für das nächste Kursjahr starten im Mai. Unser Fokus wird auf das Kursangebot für Kinder und Jugendliche gelegt werden. Inhaltliche Schwerpunkte werden voraussichtlich auf das Erlangen von Grundfertigkeiten des Zeichnens und dreidimensionalen Gestaltens, auf das Upcycling sowie auf den Umgang mit Farben sein. Kurse, die sich gut bewährt haben, werden auch weiterhin angeboten. Wir werden dazu Künstler*innen einladen, ihre Kurskonzepte bei uns einzureichen. Den Schnuppertag werden wir im kommenden Kursjahr auch im Herbst anbieten.


Welche langfristigen Ziele habt ihr für die Kunstschule Weiz - künstlerisch, organisatorisch oder auch räumlich, was steht am Plan?

Anita: Die Kunstschule Weiz ist uns Auftrag und Herzensangelegenheit. Wir werden weiterhin den Boden für etwas bereiten, das gut und wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen ist. Wir möchten mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass sich die Kunstschule Weiz weiter etabliert und zu einem festen Bestandteil in der Stadt wird.

Fruchtbarer Boden mit viel Humus, das soll die Kunstschule sein. Nicht nur jetzt, wenn Gudrun und ich den Boden bereiten, sondern langfristig. Deshalb würden wir uns über junge Menschen, die unser Team unterstützen möchten, sehr freuen!

Noch im Jubiläumsjahr zum „100. Geburtstag Hannes Schwarz“, wäre es schön, eine größere Veranstaltung in das „HSZ“, dem Hannes Schwarz Zentrum der Stadt Weiz zu bekommen, welches sich auch in den Räumlichkeiten der Kunstschule Weiz befindet. Gespräche diesbezüglich gibt es bereits.

Die Kunstschule Weiz wird auch weiterhin für alle Generationen offen sein: Für die Kleinsten bis hin zur älteren Künstler*innen-Generation. Die offene Gruppe „Collage“ die sich wöchentlich trifft, der Literaturkreis, der monatlich im Haus ist und vielleicht wieder eine Keramikgruppe. Künstler*innenateliers in denen Künstler*innen arbeiten und denen man bei Anlässen auch über die Schulter schauen kann, runden die Kunstschule Weiz ab.


Inwiefern möchtest du die Kunstschule noch stärker in Weiz- sicht- und erlebbar machen?

Gudrun: Wir betrachten die Kunstschule als einen Ort der Begegnung, an dem Kunst und Kultur stattfindet und vermittelt wird. Dies geschieht bereits durch qualitätsvolle Kursangebote, durch Kooperationen, Kunstgruppen und auch das Kulturbüro Weiz. Wir wünschen uns zudem noch stärkere Zusammenarbeit mit Schulen, Institutionen und Einrichtungen an. Wir möchten künftig auch Jugendliche stärker in die Entwicklung von Konzepten, Projekten und Kursangeboten einbinden, um zeitgemäße Interessen von ihnen aufgreifen zu können.


Was motiviert dich persönlich in deiner Arbeit an der Kunstschule am meisten?

Anita: Ich möchte den jungen Menschen etwas Wichtiges auf den Lebensweg mitgeben, etwas von Bedeutung, das das Ureigendste des Menschen ist: Das Erleben und das Nutzen der eigenen Kreativität!

Die Kunstschule Weiz bereitet den Boden für die zukünftige Generation von Menschen denen ich ein erfülltes Leben wünsche, das mehr ist, als das, was uns die oberflächliche Welt weis machen möchte.

Ich stelle mir die Frage was bleibt? Was gehört zu einem erfüllten Leben? Was ist wirklich von Bedeutung und wie möchte ich mein Leben kreieren?

Leben mit allen Sinnen, bewusst da sein, sich nicht (auf)hetzen lassen von den Nachrichten und das sogenannte „soziale Leben im Internet“, auch nicht anstecken zu lassen von dem Gefühl des Ausgeliefertseins, sondern etwas tun. Aktiv sein, kreativ sein, mit den eigenen Händen schöpferisch tätig sein und das Leben selbst in die Hand nehmen.

Das ist eine Aufgabe der Kunst und die Kunstschule Weiz unterstützt dies.

In der Kunstschule Weiz macht die Welt, die so oberflächlich und beunruhigend geworden ist und sich so schnell dreht, Pause. Hier geht es um Inspiration und darum, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und kreative Ausdrucksformen zu lernen. Man muss aufpassen, dass man sich nicht verliert im Lärm der Zeit, der die innere Stimme überdröhnt.

In der Kunstschule Weiz arbeiten erfahrene Künstler*innen, Pädagog*innen, Menschen mit Lebenserfahrung und mit fantastischen künstlerischen Fähigkeiten. 

Ich lade ein, diese Möglichkeit zu nutzen, dies auf dem Lebensweg mitzunehmen, um es dann hervorzuholen, wenn es gebraucht wird: Kreativität braucht man in jeglichen Lebensbereichen und sie ist in jedem Beruf gefragt!


Gudrun: Ich selbst habe als Kind das Zeichnen und Malen für mich entdeckt, hatte allerdings keine Möglichkeiten außerschulisch Kurse zu besuchen.

Daher ist es mir eine Freude und ein persönliches Anliegen, mich dafür einzusetzen, dass es in Weiz ein leistbares Angebot gibt, das es allen Kindern ermöglicht, sich kreativ zu betätigen, und sich damit auch persönlich weiterzuentwickeln.


Welche Bedeutung hat Kunst - gerade in Zeiten wie diesen - für die Menschen in Weiz?

Anita: Die Welt in der wir leben ist seltsam. Schneller schneller schneller, lauter, lauter lauter, man weiß nicht mehr was echt ist. Es heißt achtsam bleiben, kritisch.

Deshalb ist es von immenser Wichtigkeit, dass wir Dinge tun, die echt sind. Live.

Es ist so wichtig, die Sinne zu nutzen, sie zu schärfen.

Und dabei hilft Kunst: Für die Menschen in Weiz ist Kunst in allen Facetten omnipräsent, es gibt eine große Kunst-, und Künstler*innenszene. Zu verdanken ist dies vielen Menschen, die daran arbeiten, dass es so ist.

Weiz hat ein fantastisches Kunsthaus, die Galerie Weberhaus, das „Hannes Schwarz Zentrum“. Im Bereich der bildenden Kunst gibt es sogar mehrere Kunstgruppen: „die 12“, „AKU“, „Collage“ und eine Fotogruppe, allesamt mit reger Ausstellungstätigkeit.

Es gibt die Musikschule, die Theaterfabrik, die Speckdackeln, die Big Band Weiz, die Stadtkapelle, die Kameradschaftskapelle, den Singverein und vieles mehr.


Und nun schließt sich der Kreis: Wir haben Glück, in Weiz zu leben, in einer Stadt, in der Kunst und Kultur einen hohen Stellenwert hat!




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